Versoaln

Das Schloss

Schloss Katzenzungen liegt zwischen Meran und Bozen, im Ortsteil Prissian auf dem Tisner Hochplateau, auf rund 600 m ü. M. und in herrschaftlicher Lage über dem Etschtal.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloss im Jahr 1244 im Zusammenhang mit dem damaligen Burgherrn Henricus de Katzenzungen, von dem es seinen Namen erhielt. Im Laufe der Jahrhunderte ging es in den Besitz verschiedener Adelsfamilien über.

1379 erkannten die Grafen von Schlandersberg, seinerzeit bedeutende Weinhändler entlang der Via Claudia Augusta, das außergewöhnliche Potenzial der Region für den Weinbau. Sie investierten in zahlreiche Weinberge im gesamten Etschtal und pflanzten die erste Rebe am Schloss.

1534 erwarb Franz von Breisach das Schloss und ließ es umfassend erweitern. Dabei erhielt es seine bis heute erhaltene Gestalt im Stil der Renaissance. Eine dreibogige Steinbrücke führt zum mächtigen, dreigeschossigen Bau, dessen Fassaden von einem Kranz aus Pechnasen gesäumt werden. Sie bilden das einzige eigentliche Verteidigungselement eines Anwesens, das von Anfang an eher als repräsentativer Adelssitz denn als Wehrburg konzipiert war. In dieser Zeit erlebte Schloss Katzenzungen seine glanzvollste Epoche. Es zählte zu den angesehensten Adelssitzen der Region und war insbesondere für seine außergewöhnliche Eleganz und seinen charakteristischen Renaissance-Stil bekannt.

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Mit dem Aussterben der Familie von Breisach im 18. Jahrhundert und nach weiteren Besitzerwechseln endete die glanzvolle Epoche des Schlosses. Es diente fortan überwiegend landwirtschaftlichen Zwecken und geriet im Laufe der Zeit zunehmend in Verfall.

Mit dem Erwerb durch Josef Pobitzer im Jahr 1978 begann ein neues Kapitel in der Geschichte von Schloss Katzenzungen. Dank der langjährigen und mit großer Sorgfalt durchgeführten Restaurierung, die sein Sohn Ernst Pobitzer persönlich leitete, gewann das Anwesen seinen ursprünglichen Charakter als repräsentativer Landsitz und Ort des Genusses zurück.

Heute wird das Schloss Katzenzungen von den Kindern der Familie Pobitzer und ihren Familien geführt. Es ist Schauplatz von Veranstaltungen, Hochzeiten, und beherbergt seit 2024 eine private Schatzkammer mit einzigartigen Sammlungen und Raritäten. Und zugleich bewahrt es einen der außergewöhnlichsten weinkulturellen Schätze Europas – und der Welt.

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Die Rebe

Ein beeindruckendes Alter

Das bedeutendste Denkmal des Schlosses befindet sich nicht innerhalb seiner Mauern, sondern zu seinen Füßen: ein lebendes Monument – eine uralte Weinrebe, die größte und wohl auch älteste Rebe der Welt.

Nach Recherche lokaler Überlieferungen müsste sie rund 600 Jahre alt sein. Der Südtiroler Historiker Luis Oberrauch dokumentierte dies 1980 in seinem Beitrag Le nostre viti di casa im Schlernheft (Ausgaben 4–5) und beschrieb detailliert ihren Standort sowie ihre beeindruckende Laubfläche von über 350 m².

Im Jahr 2004 wurde ihr Alter anhand von dendrochronologischen Untersuchungen durch Prof. Dr. Martin Worbes von der Universität Göttingen neu bewertet. Die wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben damals ein Alter von mindestens 350–380 Jahren.

Das übliche Verfahren, bei dem zunächst Proben entnommen und anschließend die jährlichen Wachstumsringe bestimmt werden, gefolgt von einer C14-Analyse des Kernholzes, erwies sich aufgrund des weit fortgeschrittenen Verfalls im Inneren des Stammes schon bald als nicht durchführbar. Um die Pflanze nicht weiter zu schädigen, wurde daher ein anderer Ansatz gewählt. Eine teilweise Probenentnahme und die präzise Messung des Durchmessers des Hauptstammes ermöglichten dennoch eine Altersschätzung, die durch weitere Untersuchungen ergänzt wurde.

Parallel dazu lieferten Proben aus einem historischen Weinberg, die vom Südtiroler Weinmuseum in Kaltern zur Verfügung gestellt wurden, Vergleichsmaterial zur Bestimmung der Wachstumsintensität der Rebe während der vorangegangenen 120 Jahre.

Es handelte sich somit um eine komplexe und umfangreiche Untersuchung, die keine exakte Datierung, wohl aber eine fundierte Altersschätzung ermöglichte. Daher bleibt die Möglichkeit offen, dass die Rebe tatsächlich noch älter ist.

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Ein verwunschener Platz

Geschützt durch die Mauern der ehemaligen Stallungen wächst die Rebe am Fuß eines Hanges, auf dessen Spitze das Schloss steht.

Zu den Ursachen ihrer außergewöhnlichen Langlebigkeit dürfte insbesondere die nordexponierte Lage auf einem steilen Hang zählen. Einerseits machte diese Standortsituation die Fläche für andere landwirtschaftliche Nutzungen wenig attraktiv, andererseits ermöglichte sie durch die mit den Niederschlägen akkumulierten Sedimente die Ausbildung einer ausreichend mächtigen und fruchtbaren Humusschicht auf dem anstehenden Felsgestein. Dadurch waren weder Düngungsmaßnahmen noch eine künstliche Bewässerung erforderlich.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der ursprüngliche Stamm vollständig von Sedimenten begraben. Heute ragen nur noch die vier imposanten Hauptäste aus dem Boden hervor.

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Wissenschaftliche Studie

Das hohe Alter der Rebe zeigt außerdem, dass sie niemals von der Reblaus befallen wurde. Sie gehört damit zu den äußerst seltenen wurzelechten Reben (piede franco), die ohne Veredelung auf reblausresistente Unterlagen überlebt haben.

Nachdem 2009 eine alte Infektionskrankheit, u.z. die Pilzkrankheit Esca festgestellt wurde, initiierte das Versuchszentrum Laimburg ein wissenschaftliches Forschungsprojekt. Neben der erfolgreichen Eindämmung der Krankheit zeigte sich, dass die Rebe aus mikrobiologischer Sicht ein eigenes kleines Ökosystem darstellt.

Der Mikrobiologe Gerd Innerebner erläutert, dass die auf und in der Pflanze lebenden Mikroorganismen (Endophyten) natürliche insekten-, bakterien- und pilzhemmende Stoffe produzieren, die die Rebe vor Krankheitserregern schützen. Durch Gewebeproben und den Vergleich mit einer Rebe aus Margreid sowie weiteren Reben am Versuchszentrum Laimburg konnten insgesamt 118 verschiedene Arten nachgewiesen werden – überwiegend Bakterien –, die als natürliche Gegenspieler zahlreicher Krankheitserreger wirken.

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Die Rebsorte

Die Rebsorte trägt denselben Namen wie die Rebe selbst: Weißer Versoaln. Sie stammt vermutlich aus dem unteren Vinschgau und stellt heute ein einzigartiges genetisches Erbe dar.

Dies bestätigen auch die Untersuchungen des Ampelographen Dr. José Vouillamoz von der Universität Neuenburg, der nach der Analyse von über tausend Rebsorten zu dem Schluss kam: "Schloss Katzenzungen" ist mit Sicherheit der einzige Ort weltweit, an dem diese Rebsorte angebaut wird."

Über die Herkunft des Namens "Versoaln" existieren verschiedene Deutungen. Am wahrscheinlichsten ist der Bezug zu den steilen Weinbergen der Region, in denen sowohl die Ernte als auch mitunter die Erntehelfer „versoaln", also mit Seilen gesichert und gehalten werden mussten.

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Schirmherrschaft

2006 übernahmen die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran im Auftrag der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol die Schirmherrschaft über die Versoaln-Rebe. Damit begann ein entscheidender Abschnitt für ihren Schutz und ihre wissenschaftliche Erforschung.

Während die berühmte Stara trta in Maribor (Slowenien) seit Längerem als älteste Weinrebe der Welt galt, war die Versoaln zuvor nur wenig erforscht und nahezu unbekannt geblieben.

Bereits in den 1980er-Jahren hatte das Südtiroler Landesamt für Denkmalpflege sie als Naturdenkmal und größte Weinrebe Europas mit einer Laubfläche von rund 350 m² eingestuft. Erst die historischen und wissenschaftlichen Forschungen der frühen 2000er-Jahre machten ihre tatsächliche Bedeutung als Symbol der Südtiroler Weinbautradition und als Kulturerbe von internationalem Rang deutlich.

Die Versoaln-Rebe stellt heute ein außergewöhnliches botanisches und kulturhistorisches Zeugnis dar. Als seit Jahrhunderten kontinuierlich produzierender Rebstock hat sie zahlreiche historische Epochen überdauert und dokumentiert eine außergewöhnliche Kontinuität des Weinbaus. Aufgrund ihres hohen botanischen Wertes nimmt sie unter den bislang bekannten historischen Rebstöcken Europas und weltweit eine Sonderstellung ein, da für keine andere historische Rebe eine vergleichbar umfassend dokumentierte Charakteristik vorliegt.

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Der Wein

Die traditionelle Erziehung auf Kastanienholz-Pergeln, die Höhenlage von 600 Metern, die Nordausrichtung sowie die kargen Porphyrböden stellen für gewöhnlich anspruchsvolle Bedingungen für den Weinbau dar. Hier jedoch prägen genau diese Faktoren den unverwechselbaren alpinen Charakter und die Einzigartigkeit des Versoaln und erweisen sich angesichts des Klimawandels sogar als unerwarteter Vorteil.

Die Blätter der Versoaln-Rebe sind markant gezähnt. Die mittelgroßen, gelbgrünen Beeren besitzen eine feine, seidige und nahezu transparente Schale, durch die die Kerne sichtbar werden.

Der Wein präsentiert sich in hellem Gelb mit grünlichen Reflexen und feinen Aromen von Zitrusfrüchten und Quitte. Am Gaumen zeigt er sich schlank und mineralisch, geprägt von einer markanten Säure, die seinen Charakter bestimmt und das lange Finale begleitet.

Versoaln

Seit 2024 wird die Rebe von der Familie Pobitzer nach den Grundsätzen der biodynamischen Landwirtschaft selbst bewirtschaftet. Im Jahr 2026 präsentiert sich der Versoaln zudem in neuem Gewand.

Je nach Jahrgang entstehen zwischen 50 und 250 Flaschen. Die Produktion ist von Natur aus äußerst limitiert und an keinem anderen Ort reproduzierbar.

Ein neues Jahr, ein neuer Wein – seit Jahrhunderten. Der Versoaln ist Symbol und Identität einer Landschaft und zugleich Ausdruck einer jahrtausendealten Weinbautradition. Die Geschichte, die in den Wurzeln dieser außergewöhnlichen Rebe verborgen liegt, lässt uns ehrfürchtig auf die Vergänglichkeit der Zeit blicken und erinnert zugleich daran, wie wichtig es ist, dieses einzigartige Erbe für kommende Generationen zu bewahren.

Personen und Kontakte

Folgende Personen engagieren sich mit Leidenschaft für das Versoaln-Projekt:

Rebschnitt und weinbauliche Entscheidungen: Jan Hendrik Erbach
Biodynamische Arbeit im Weinberg: Martin Peer
Vinifikation und Abfüllung: Martin Gojer

Zeichnungen: Francesca Ballarini
Texte: Andrea Scaramuzza
Fotografien: Martin Geier

Für Informationen zu Castel Katzenzungen und der Eventlocation kontaktieren Sie bitte
mail Veronika Egger Pobitzer

Für weitere Informationen zur Rebe und zum Erwerb des Weins Versoaln wenden Sie sich bitte an
mail Caroline Pobitzer